Jean-Marce Banoho holt einen Brief aus seiner Jackentasche, Absender: »Familiengericht Berlin-Kreuzberg, Kosteneinziehungsstelle der Justiz«. Er setzt sich an einen der Tische vor der großen Schaufensterscheibe im Infocafé »Der Winkel« und wählt die Nummer der Kosteneinziehungsstelle. Ein Asylbewerber aus Kamerun habe ihn um Hilfe gebeten, weil er Schulden beim Gericht habe, erklärt er. »Ja, guten Tag, hier ist Jean-Marce Banoho, ich bin Sozialarbeiter.« Es geht um Unterhaltszahlungen.
Täglich werden Menschen zu Geld- oder Haftstrafen verurteilt, weil sie ohne behördliche Genehmigung eine Landkreisgrenze überschritten haben. Grundlage dafür ist die räumliche Aufenthaltsbeschränkung, besser bekannt unter dem Namen Residenzpflicht.
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