Stimme der Beschäftigten

Seit dem 1. Februar haben Gewerkschaftsaktivisten im Internet ein eigenes Radioprogramm. Radio Labour informiert wöchentlich über Arbeitskämpfe und Gewerkschaften – weltweit.

 

Es beginnt mit einem der Klassiker der Internationalen Gewerkschaftsbewegung. Jeden Sonntag erklingen die Töne von »Solidarity forever« zu Beginn der wöchentlichen Sendung über Arbeitskämpfe rund um den Globus. 30 Minuten Nachrichten über den Kampf der Tekel-ArbeiterInnen in der Türkei, die Situation der Gewerkschaften in El Salvador, die Auseinandersetzungen von Beschäftigten bei der DHL, Privatisierungen in Serbien, Demonstrationen in Ägypten.. die Liste ist lang. Gemeinsam ist den Themen, dass sie in den Mainstream-Medien wenig Platz finden, schon gar nicht aus der Sicht der Beschäftigten.

Es ist der Versuch, ihnen in der globalisierten Welt eine Stimme zu geben, sagt Produzent und Gründer Marc Bélanger. »Wir können dazu beitragen, dass Beschäftigte in Zimbabwe verstehen, was bei den Gewerkschaften in Deutschland passiert und umgekehrt.« Sicher habe heute jede Gewerkschaftsbewegung ihre Internetseite und einige Initiativen bündeln Informationen, aber eben nur zum Lesen. Bélanger ist sich sicher: »Es ist etwas anderes, ob ich alles Mögliche im Internet suchen und lesen kann, oder ob ich die Stimmen dazu höre.« Zudem gebe es bisher keine Zusammenfassungen über internationale Gewerkschaftsaktivitäten über das Medium Radio.

Das Konzept setzt auf Mitmachen. Etwa zehn feste Freiwillige berichten für das Programm, hauptsächlich kommen die Beiträge aber von GewerkschafterInnen, die über ihre Arbeitskämpfe vor Ort berichten. Rund 4000 Hörer haben sich bisher eingeschaltet. Um ein größeres Publikum zu erreichen, kooperiert das Projekt mit Freien Radios, bisher mit Community Radios in den USA und in Südafrika.

Bildungspolitischer Ansatz

Neben dem Informationsgehalt hat Radiolabour auch einen bildungspolitischen Ansatz. Zunächst durch die Informationen selbst, aber auch durch die Sprache. Bisher wird in englisch gesendet. Da alle Ausgaben auch auf Papier gebracht werden, können AktivistInnen nebenbei ihre Sprachkenntnisse verbessern. Dieser Teil soll in Zukunft ausgebaut werden, spezielle Unterrichtsstunden sollen GewerkschaftsaktivistInnen befähigen auch international zu kommunizieren. »Englisch ist nun mal die vorherrschende Sprache im Internet, deshalb ist es gut, zu lernen, damit umzugehen«, sagt der gewerkschaftliche Bildungsarbeiter. Für die Zukunft würde Bélanger gerne auch Sendungen in russisch, spanisch und französisch anbieten.

Aber das ist auch eine Frage der Finanzierung. Bisher steht diese für ein Jahr – aus privaten Mitteln. »Ich hoffe, dass die Internationalen Gewerkschaften den Wert des Projektes sehen und sich später an die Finanzierung beteiligen«, so Bélanger. Denn: »Regierungen und Unternehmen haben die Möglichkeit ihre Ansichten über die weltweiten Medien zu verbreiten. Es ist an der Zeit, dass Gewerkschaften diese Möglichkeit auch haben.«

Jeweils Sonntags wird die neue Sendung veröffentlicht, und die alten können heruntergeladen werden unter: www.radiolabour.net

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